Die 1925 von dem Ethnologen Wilfrid D. Hambly (1886- 1962) in "The History of Tattooing and its Significance" veröffentlichte Karte unternimmt den Versuch, die weltweite Verteilung von Körperbemalungen, Tätowierungen und Skarifizierungen darzustellen.

Die 1925 von dem Ethnologen Wilfrid D. Hambly (1886- 1962) in "The History of Tattooing and its Significance" veröffentlichte Karte unternimmt den Versuch, die weltweite Verteilung von Körperbemalungen, Tätowierungen und Skarifizierungen darzustellen.

(Un)charted: Europe

Tattoo art already had a long history in Europe but was given new impulses by the advent of the word "tatau." Even the Ötzi mummies from the Neolithic period bore 61 marks on the skin, while the Pikten (Scots at the time of the Roman Empire) were tattooed, and the ancient Greeks and Romans used the skin stiches to mark and punish slaves and criminals. The fact that tattoos also played a role in the Middle Ages are confirmed by church prohibitions and court records. The penalty gave the tattoo something heinous.

In the 18th century, the images on the skin were seen as something "foreign." Tattooed people showed themselves in carnivals and in theaters to satisfy the curiosity of the audience lusting for the exotic. Telling an adventurous abduction story, the tattooed person became the figure who triggered both terror and fascination at the same time. But tattoos were also present in everyday life. In the 19th century and the beginning of the 20th century, they became fashionable: historical estimates assumed that about 20 percent of the population in Europe were tattooed. The social medicine practitioner Rudolph Virchow (1821-1902) spoke of a regular "tattooing rage," especially among workers.

At the same time, criminological studies tried to emphasize the alleged link between tattoos and crime. The Italian physician and psychiatrist Cesare Lombroso (1835-1909) claimed for example that tattoos were a sign of an unfinished human development and often an indication of delinquency. These assertions were driven by the Austrian architect Adolf Loos (1870-1933) with the thesis that a tattooed man who had committed no murder had died too soon. In various political systems, tattoos were attributed to complex meanings and functions, sometimes even prohibited. Nevertheless, the skin piercing, often worn in secret, remained popular. Today, so many people in Germany are tattooed like never before - almost every fourth person of people between the ages of 16 and 29 bears one or more tattoos.

(un)erforscht: Europa

Die Tattookunst hatte in Europa bereits eine lange Geschichte, erhielt durch das Aufkommen des Wortes „tatau“ allerdings neue Impulse. Schon die Ötzi-Mumie aus der Jungsteinzeit trug 61 Hautzeichen, die Pikten (Schotten zur Zeit des römischen Imperiums) waren tätowiert, und die alten Griechen und Römer benutzten den Hautstich zur Markierung und Bestrafung von Sklav*innen und Kriminellen. Dass Tätowierungen auch im Mittelalter eine Rolle spielten, belegen kirchliche Verbote und Gerichtsakten. Die Strafe verlieh der Tätowierung etwas Ruchloses.

Im 18. Jahrhundert wurden die Bilder auf der Haut als etwas „Fremdes“ angesehen. Tätowierte Menschen zeigten sich auf Jahrmärkten und in Theatern, um die (Neu-)Gier des Publikums nach dem Exotischen zu befriedigen. Eine abenteuerliche Entführungsgeschichte erzählend, wurden die Tätowierten zur Figur, die Schrecken und Faszination zugleich auslösten. Doch Tattoos waren auch im Alltag präsent. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wurden sie zur Modeerscheinung: historische Schätzungen gingen davon aus, dass um die 20 Prozent der Bevölkerung in Europa tätowiert waren. Der Sozialmediziner Rudolph Virchow (1821–1902) sprach von einer regelrechten „Tätowierungswut“, insbesondere unter Arbeitern.

Zeitgleich bemühten sich kriminologische Studien, den angeblichen Zusammenhang zwischen Tätowierungen und Kriminalität zu betonen. So behauptete der italienische Arzt und Psychiater Cesare Lombroso (1835–1909), dass Tätowierungen ein Zeichen für eine nicht abgeschlossene menschliche Entwicklung und oftmals ein Indiz für Kriminalität seien. Diese Behauptungen trieb der österreichische Architekt Adolf Loos (1870–1933) mit der These auf die Spitze, dass ein Tätowierter, der noch keinen Mord beging, zu früh verstorben sei. In verschiedenen politischen Systemen schrieb man Tätowierungen komplexe Bedeutungen und Funktionen zu, teilweise wurden sie sogar verboten. Trotzdem blieb der Hautstich, oftmals im Geheimen getragen, weiterhin beliebt. Heute sind so viele Menschen in Deutschland tätowiert wie nie zuvor – fast jeder Vierte der 16- bis 29-Jährigen trägt ein oder mehrere Tattoos.