Ethnologische Museen - neu gedacht.

Die Museumsdirektorin Nanette Jacomijn Snoep im Gespräch mit:

Dr. Larissa Förster (Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Morphomata Köln und Sprecherin der AG Museum der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde), Dr. Benjamin Meyer-Krahmer (Masterstudiengang "Kulturen des Kuratorischen" an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) Wayne Modest (Tropenmuseum Amsterdam), Lisl Ponger (Bildende Künstlerin, Wien),

Moderation: Prof. Dr. Karoline Noack (Abteilung für Altamerikanistik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)

Eintritt: 4/3 €

Unsere wachsende multikulturelle Gesellschaft erfordert ein grundsätzliches Umdenken in ihren kulturellen Einrichtungen. Die sich wandelnde Gesellschaft konfrontiert uns mit neuen Zielgruppen, Aktivitäten und Aufgaben. Zu wem soll dieses neue Museum sprechen? Welche Bedeutung hat ein sogenanntes ethnologisches Museum im Europa des 21. Jahrhunderts?

Seit mehreren Dekaden ist die ethnologische Museumslandschaft in Europa stark in Bewegung. Manche sprechen sogar von einer grundsätzlichen Krise des Völkerkundemuseums: Namenswechsel, Neukonzeptionen der Dauerausstellung, interdisziplinäre Kooperationen, Zusammenarbeit mit source communities, künstlerische Interventionen und andere Experimente zeigen diese Veränderungen deutlich. Dieses Phänomen kann als eine Art zyklischer Identitätskrise des ethnologischen Museums bezeichnet werden. Das unterscheidet es von fast allen anderen Museumtypen.

Bereits vor 45 Jahren (1969) veröffentlichte William C. Sturtevant, Kurator der nordamerikanischen Ethnologie-Abteilung am Smithsonian Institute, einen Essay unter dem Titel „Does Anthropology Need Museums?, in dem er die ethnologischen Museen als „versteinerte Institutionen“ verurteilte. 30 Jahre später, in der Hochphase der konfliktreichen Debatten rund um das Projekt „Musée du Quai Branly“ in Paris, schrieb der Ethnologe Jean Jamin: „Faut-il bruler les musées d’Ethnographie?“, „Müssen wir die ethnographischen Museen verbrennen?“. Solche Aussagen setzen sich bis heute fort.

Es scheint, dass Problematiken wie Zeit, Konflikte, kulturelle Dynamik, Geschichte und aktuelle Ereignisse in der Museumspraxis immer noch ungelöst sind. Warum?

Das Podium möchte die vergangenen Diskurse analysieren und neue Wege der Gestaltung eines Museums mit post-kolonialer Praxis aufzeigen.