Clara Wieck / Mouseion

Video / 5 min.


ACHTUNG: Auf Grund von Umbauarbeiten in unserer Dauerausstellung kann diese Installation nicht mehr gezeigt werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.


Clara Wieck next to her work / Museion / Copyright Sandra Neuhaus

Clara Wieck next to her work / Museion / Copyright Sandra Neuhaus

Das Museum als Heiligtum der Musen: Auf der Suche nach der Muse der Institution geht "der weiße Mann" durch die Ausstellungsräume eines Völkerkundemuseums. Aufgefordert, sich zu den ausgestellten Objekten zu verhalten, setzt er sich mit seinen Ängsten, seinem Begehren sowie Verklärungen und Projektionen  auseinander. Außerhalb des Museums sind es die Menschen selbst, die während ihrer Flucht von Mediendrohnen gefilmt werden und, auf die Fernsehbildschirme übertragen, selbst Geschichtsobjekte werden. Mouseíon setzt die Welt des Museums mit der Welt außerhalb in Beziehung. So wird das Museum zum Denk- und Assoziationsraum, in dem überkommene Dichotomien in Frage gestellt werden. Es ist auch der Vergleich der Blickrichtungen: Hier der Museumsbesucher der die stummen Objekte, die stellvertretend für die verschiedenen Gemeinschaften auch Geschichten vom Zwischenraum, von Verhandlungen, Flucht oder der Kommunikation zwischen dem Diesseits und dem Jenseits weben, betrachtet und auf der anderen Seite die Menschen die hinter den Erzeugnissen stehen.

/

The museum as a shrine of the Muses: in the search for the Muse of the institution, "the white man" goes through the exhibition rooms of the Museum for Ethnology. Invited to react to the exhibited objects, he confronts his fears, his desires and glamorization and projections. Outside the museum, it is the people themselves who, filmed during their flight from media drones, are in turn transmitted on television screens as historical objects. Mouseion observes relationship between the world of the museum with the outside world. The museum is the thinking and associative space where outdated dichotomies are put into question. It is also the comparison of viewpoints: Here, the museum visitor who views the silent objects representative of the various communities and stories of spaces in between, of negotiations, exodus or of the communication between this world and the hereafter, and there, on the other side, the people who stand behind the the things they created.

Vita / Bio / Life

Clara Wieck wurde in Stuttgart geboren, sie lebt und arbeitet in Leipzig.  /  Clara Wieck was born in Stuttgart, she lives and works in Leipzig.

 

Installation view / Installationsansicht

                                                                                                                                                                                                                                                                   Copyright Sandra Neuhaus

                                                                                                                                                                                                                                                                   Copyright Sandra Neuhaus

 

Interview / Clara Wieck / Antje Akkermann

Deine Videoarbeit besteht zu einem Großteil aus Ansichten des Museums, wobei du mit relativ abstrakten Bildern arbeitest. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich hatte mir ursprünglich die Frage gestellt, ob und welche Art der Muse mit dem Völkerkundemuseum in Verbindung steht. Denn etymologisch kommt das Wort Museum vom griechischen mouseíon, dem Musentempel. Wo also begegnet man dieser Muse – und die Muse meint hier eine Form der Inspiration oder Offenbarung – während eines Museumsbesuchs?

Ich wollte mich mit Sammlung und Präsentation des Museums auseinandersetzen und habe die Dauerausstellung mehr oder weniger komplett abfotografiert; wobei ich ein Modell eines Museumsbesuchers vor verschiedenen Vitrinen positioniert habe, in denen Figurinen ausgestellt sind. Es entstanden Bilder vom modellhaften „weißen Mann“ und von ihm durch Glasscheiben getrennten Objekten und Figurinen. Die Nachstellung eines Museumsbesuchs.

Diese Bilder habe ich eine ganze Weile sortiert und geordnet. Immer wieder habe ich mich jedoch auch dabei wiedergefunden, wie ich durch verschiedene YouTube Channels gesurft bin, um mir Videos von der umkämpften bzw. offenen EU Außengrenze anzusehen. Mehr als die Muse oder in weiterer Konsequenz hat mich letztlich wohl die Frage nach der Möglichkeit und Dringlichkeit der Dekonstruktion vormals konstruierter Grenzen interessiert – in der Welt des Museums in Form der Dualität von betrachtendem Subjekt und ausgestelltem Objekt sowie in der weiteren Welt außerhalb des Museums. Die Entscheidung für eine relativ abstrakte Darstellungsweise resultiert aus dem Gefühl, selbst keine vollständig klaren Antworten auf diese Frage zu haben, aber die Frage – in einem generelleren und auch vom Museum losgelösten Kontext – stellen zu wollen.


In dem Video kehrt eine Szene wieder, in der eine Frau durchs Bild rennt. Was hat es damit auf sich?

Das Bewegtbild zeigt eine Frau. Im Gegensatz zu den Figurinen ist sie lebendig und steht nicht hinter Glas, sondern rennt durch eine Grenzzone. In der Entscheidung für dieses Bild drückt sich mein Wunsch aus, (kulturelle) Grenzen nicht als Linien zu begreifen, sondern als bewegte Zonen, in denen das (vermeintlich) Eigene und Vertraute und (vermeintlich) Fremde am Schwirren ist und zur Reflexion des eigenen Standorts herausfordert. Diese Herausforderung und Einladung zur Selbstspiegelung ist letztlich das, was ich persönlich als eine Art „Musenkuss“ bezeichnen würde, um hier nochmals den Bogen zu meiner Ausgangsfrage zurückzuschlagen.